Ich hätte Dir so viel zu erzählen

Ich hätte Dir so viel zu erzählen
Autor:in
Anne Lindenschmidt

Von Gesprächen, die wir in Gedanken weiterführen

Es gibt so vieles, das ich Dir gerne erzählen würde.

Von den kleinen Dingen, über die wir gemeinsam gelacht hätten. Von Begegnungen, die Dich interessiert hätten. Von Entscheidungen, bei denen ich gerne gewusst hätte, was Du dazu gesagt hättest.

Manchmal höre ich Deine Antwort beinahe schon, bevor ich die Frage überhaupt zu Ende gedacht habe.

Ich kannte Dich. Deine Art zu denken, Deinen Humor, Deine Eigenheiten. Wir haben so vieles miteinander geteilt, dass ich noch heute ahne, welche Worte von Dir gekommen wären.

Und dann gibt es diese Augenblicke, in denen mir besonders bewusst wird, wie sehr Du fehlst.

So vertraut, als wäre es gestern gewesen

Es braucht oft keinen besonderen Anlass.

Ein Satz, den jemand sagt. Eine Situation, die mich an Dich erinnert. Etwas, das ich sehe und bei dem ich sofort denke: Das wäre genau Dein Ding gewesen.

Vielleicht hätte ich Dich angerufen. Vielleicht hätten wir später darüber gesprochen. Oder ich hätte Dir einfach ein Foto geschickt, weil ich gewusst hätte, dass Du Dich darüber freust.

Heute bleibt dieser Impuls ohne die Antwort, die früher so selbstverständlich dazugehört hat.

Und trotzdem ist da noch etwas von unseren Gesprächen. Von den gemeinsamen Erlebnissen und all dem, was wir über die Jahre voneinander erfahren haben.

Nicht jede Erinnerung ist mit Traurigkeit verbunden. Manche bringen mich zum Lächeln. Andere lassen mich den Kopf schütteln, weil ich genau weiß, wie Du Dich wieder über irgendetwas aufgeregt hättest.

Auch das vermisse ich.

Was Du wohl dazu sagen würdest

Das Leben bleibt nicht stehen, wenn ein Mensch stirbt.

Es kommen neue Erfahrungen hinzu. Menschen treten in unser Leben, andere gehen. Wir treffen Entscheidungen, ändern unsere Meinung, entdecken Dinge, die wir früher vielleicht ganz anders gesehen hätten.

Und ich frage mich, was Du von all dem halten würdest.

Ob Du meine Entscheidung verstehen könntest. Ob Du Dich mit mir freuen würdest. Oder ob wir erst einmal ausgiebig darüber diskutieren würden.

Vielleicht wäre ich sogar anderer Meinung als Du.

Denn eine vertraute Beziehung besteht nicht nur aus Übereinstimmung. Sie hat ihre ganz eigene Geschichte, mit allem, was schön, schwierig, lustig oder gelegentlich anstrengend war.

Und gerade deshalb kann ein Mensch auch Jahre nach seinem Tod noch so gegenwärtig sein.

Du fehlst. Und bist mir doch so nah.

Es gibt Tage, an denen ich besonders gerne Deine Stimme hören würde.

Nicht unbedingt, weil etwas Außergewöhnliches passiert ist. Sondern weil ich Dir etwas erzählen möchte, das für andere vielleicht völlig belanglos wäre.

Du hättest verstanden, warum es mir wichtig ist.

Vielleicht ist es genau diese Nähe, die so sehr fehlt. Einen Menschen zu haben, der die eigene Geschichte kennt. Der weiß, was hinter einem bestimmten Satz steckt. Der Zusammenhänge versteht, ohne dass man lange erklären braucht.

Daran ändert auch die Zeit nicht unbedingt etwas.

Es können Jahre vergangen sein. Das eigene Leben kann inzwischen ganz anders aussehen. Und dennoch gibt es diese Gedanken, in denen Du ganz selbstverständlich vorkommst.

Mit einem Lächeln.

Mit Tränen.

Oder einfach mitten an einem gewöhnlichen Tag.

Wenn ich wieder einmal denke:

Das hätte ich Dir jetzt so gerne erzählt.

‍

Diese Seite nutzt Website Tracking-Technologien von Dritten, um ihre Dienste anzubieten, stetig zu verbessern und Werbung entsprechend der Interessen der Nutzer anzuzeigen. Ich bin damit einverstanden und kann meine Einwilligung jederzeit mit Wirkung für die Zukunft widerrufen oder ändern. Zur Datenschutzerklärung für mehr Informationen.